Das Misstrauen regiert - Privat veranlasste
Vaterschaftstests haben Hochkonjunktur
Schon unter normalen
Bedingungen tun sich viele Väter schwer, eine emotionale
Bindung zu ihrem Nachwuchs aufzubauen. Nahezu unmöglich
wird dies aber, wenn die Vaterschaft selbst in Zweifel
gezogen wird.
In der Vergangenheit waren Vaterschaftstest technisch
nicht ganz einfach durchzuführen. Sie waren außerdem sehr
teuer, wenn sich ein zweifelndes Familienoberhaupt dazu
entschloss, einen vor Gericht zugelassenen Gutachter zu
beauftragen.
Diese Situation hat sich in den letzten Jahren dramatisch
verändert. Heute werden immer häufiger private Biotechnologie-Unternehmen
damit beauftragt, mit Hilfe von Gentests zu überprüfen,
ob der angebliche auch tatsächlich der leibliche Vater
ist.
Da die Konkurrenz in Deutschland groß und die Gewinnspanne
vergleichsweise klein ist, entschließen sich immer mehr
Unternehmen wie das Potsdamer Unternehmen
Biotix
dazu, für die angebotene Serviceleistung aggressiv in
der Öffentlichkeit zu werben.
Von der weit verbreiteten Angst vor Kuckuckskindern profitiert
mittlerweile ein nicht ganz unerheblicher Teil der Biotechnologie
Branche. Biotix ist eines von einem Dutzend privaten
Biotechnologie-Unternehmen, die sich auf genetische Vaterschaftstests
spezialisiert haben. Dazu kommen noch zahlreiche andere
Unternehmen, die diesen Firmen als Vertriebspartner dienen.
Die erschwinglichen
Preise zwischen 370 und 1.000 Euro
öffnen damit einen Markt, der ein beeindruckendes Gewinnpotenzial
hat. Immerhin ist zwar in jedem Einzelfall klar, wer die
Mutter eines Kindes ist – bei der Vaterschaft hat die
lockere Moral der vergangenen Jahrzehnte dafür gesorgt,
dass kein „Vater“ vor Überraschungen sicher ist.
Bei Biotix werden derzeit pro Woche etwa 20 Vaterschaftsgutachten
zu einem Fixpreis von 650 Euro erstellt – dabei spielt
es keine Rolle, ob nur die Gendaten von Vater und Kind
oder zusätzlich auch jene der Mutter getestet werden.
Im Gegensatz zu Biotix hat sich das in Frankfurt ansässige
Unternehmen Humatrix originelle neue Vertriebswege
erschlossen. Das Unternehmen bietet bundesweit Vaterschaftstests
in Apotheken an. Ähnlich wie Schwangerschaftstests sind
dabei Testpakete für eine Gen-Analyse in der Apotheken
erhältlich. Andere Abstammungsgutachten kommen über das
Internet zu Stande. Die Bundesärztekammer schätzt, dass
in Deutschland im Jahr mehrere Vaterschaftstests in
Auftrag gegeben werden.
Für eine Genanalyse werden beispielsweise Speichelproben
oder Haarbüschel verwandt – Aus diesen Proben erstellen
die Wissenschaftler genetische Fingerabdrücke. Am Computer
werden mindestens 15 genetische Merkmale miteinander verglichen.
Stimmen die Genmerkmale des Kindes mit denen des mutmaßlichen
Vaters überein, so ist die Vaterschaft mit einer
99,995-prozentigen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Der
Ausschluss der Vaterschaft kann zu 100 Prozent nachgewiesen
werden.
Die Forscher
versuchen zusätzlich eine Methode zu entwickeln, um die
Blutgruppe per genetischem Fingerabdruck zu bestimmen.
Damit soll das Argument entkräftet werden, dass die gentechnologisch
erstellten Vaterschaftsgutachten weniger zuverlässig sind,
als jene der öffentlich bestellten Abstammungsgutachter.
Eine Studie aus Großbritannien belegt, dass etwa bei jeder
zehnten Geburt ein Kind das Licht der Welt erblickt,
bei dem der vermutete Vater nicht der tatsächliche Erzeuger
ist. Bei deutschen Biotechnologieunternehmen liegt diese
Rate aber wesentlich höher –
zwischen 20 und 30%.
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den politischen Tierschutz und die Förderung tiergestützter
Therapieformen.
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